Leistungsentwicklung in der Interaktion von Genetik, Blut und Darmmikrobiom
Beschreibung
Termin und Ort: 27.10.2026 / 10:00-16:00 Uhr an der Trainerakademie in Köln
Dozent:innen: Prof. Dr. Karsten Krüger, Claudia Lenz und Sebastian Hacker
Die individualisierte Leistungsentwicklung im Spitzensport erfordert ein tiefgreifendes Verständnis der multifaktoriellen Determinanten sportlicher Performance. Das WVL-Projekt „Individualisierte Leistungsentwicklung im Spitzensport durch ganzheitliche und transdisziplinäre Prozessoptimierung“ (in:prove) verfolgt einen integrativen Ansatz zur Optimierung individueller Leistungsprozesse mittels multidimensionaler Diagnostik, datenbasierter Profilbildung und personalisierter Interventionen. Die zugrunde liegenden Daten umfassen etwa 860 deutsche Athlet:innen (41 % weiblich, 65 % unter 18 Jahren).
Mit Fokus auf physiologische Parameter werden Analysen der Mikronährstoffversorgung präsentiert, die auf relevante Defizite bei einem beträchtlichen Anteil der Athlet:innen, insbesondere hinsichtlich Vitamin D und Ferritin, hindeuten. Längsschnittdaten des in:prove-Projekts weisen darauf hin, dass Supplementationsempfehlungen im Rahmen zu einer Verbesserung des Vitamin-D-Status beitragen können, insbesondere bei zuvor unzureichend versorgten Athlet:innen. Darüber hinaus zeigen zahlreiche Athlet:innen Auffälligkeiten im Ernährungsverhalten, wie das häufige Auslassen von Mahlzeiten – insbesondere des Frühstücks –, was die Energieverfügbarkeit potenziell einschränkt. Entsprechend weist ein signifikanter Anteil der Athlet:innen Risiken für eine relative Energieverfügbarkeit im Sport (REDs) auf, wobei insbesondere eine unzureichende Kohlenhydratzufuhr als zentraler Faktor identifiziert wird. Zudem zeigen Hinweise auf eine unzureichende Ballaststoffzufuhr Assoziationen mit einer reduzierten Diversität und veränderten Zusammensetzung des Darmmikrobioms, was gezielt interventionell adressiert werden kann.
Im Bereich der Trainingswissenschaft werden auf Basis von in:prove Befunden exemplarische Trainingsberatungen auf evidenzbasierter Basis besprochen. Es werden systemische Analysen und spezifische Rahmenbedingungen individueller, erfolgreicher und weniger erfolgreicher Athletinnen und Athleten aufgezeigt und darauf basierende Entscheidungen für Interventionen mit dem Ziel der positiven Leistungsentwicklung diskutiert. Die Trainer:innensicht spielt dabei eine große Rolle: wie kann sportwissenschaftliche Forschung sie bei der Leistungsentwicklung ihrer Athlet:innen unterstützen? Hier werden aktuelle Befunde zur Methodik im leistungsentwickelnden und präventiven Krafttraining, mit gesondertem Blick auf Athletinnen, mit hohem Anwendungsbezug vermittelt. Modulierende Parameter der Wirksamkeit von (Kraft)Training wie Genetik, Ernährung und psychosoziale Aspekte, die für den systemischen in:prove Blick sprechen, werden integrierend dargestellt.
Insgesamt verdeutlichen die Ergebnisse, dass Leistungsentwicklung im Spitzensport nur durch die Integration multipler Einflussfaktoren und deren individuelle Ausprägung adäquat erfasst werden kann. Das in:prove-Projekt liefert damit evidenzbasierte Grundlagen für personalisierte Trainings- und Interventionsstrategien und unterstreicht die Bedeutung longitudinaler, multidimensionaler Diagnostik für nachhaltigen sportlichen Erfolg.